Leinen – Naturfaser mit Tradition


Leinen wird aus den Stängeln der Flachspflanze gewonnen und gehört wie Baumwolle und Ramie zu den pflanzlichen Zellulosefasern.  Die Leinenfasern bilden Bündel die aus unverbundenen Einzelfasern bestehen und in der äußeren Schicht der Stängel sitzen. Flachs oder auch Lein wird hauptsächlich in der gemäßigten Klimazone angebaut. Heute liegen die wichtigsten Anbaugebiete in China, Europa, hier traditionell in Frankreich und Belgien, Russland und Weißrussland.

Historische Entwicklung der Leinengewinnung

Neueste wissenschaftliche Funde in einer Höhle in Georgien bezeugen eine mehr als 30.000-jährige Geschichte des Leinens als Textilfaser. Von der griechischen und  römischen Antike bis ins mittelalterliche Europa war die Faser neben der vorherrschenden Schafwolle das wichtigste Material für die Herstellung von Bekleidung.  Heimarbeit ist dabei vorherrschend. Erst durch die Industrielle Revolution wird Leinen durch maschinell gewonnene Baumwolle abgelöst.

Gemeiner Lein

Wie fühlt sich Leinen an? Was zeichnet die Faser aus?

Da die Leinenfaser gut teilbar und fein verspinnbar ist, zeichnet sie sich für Wäsche und Kleidung seit jeher aus. Leinenfasern haben einen glatten Aufbau. Dadurch schließen sie wenig Luft ein und ihr Isolationsvermögen ist eher gering. Leinen nimmt bis zu 35 % Luftfeuchtigkeit auf fühlt sich daher frisch und kühl an. Es eignet sich optimal für luftige Sommerbekleidung. Leinen lädt sich nicht elektrostatisch auf, da es im Prinzip ständig Feuchtigkeit enthält. Aus der hohen Festigkeit und der extrem geringen Elastizität des Materials resultiert die Anfälligkeit für Knitter. Leinen ist sehr reißfest, ist allerdings anfällig gegenüber Reibung. Auch das Bleichen von Leinen ist problematisch und führt zu Gewichtsverlusten. Leinen kann man als Garn oder Gewebe färben. Das klassische Blau der Berufsbekleidung ist auf das Färbeverhalten des Leinens zurückzuführen: früher konnte nur mit Indigo echt gefärbt werden.

Nützliche Tipps zur Pflege von Leinen

Da die Scheuerfestigkeit der Leinenfasern geringer als die der Baumwolle ist, sollte beim Waschen in der Waschmaschine der Schongang gewählt werden. Gegen Waschlaugen, Waschmittel, Kochwäsche, chemische Reinigung und hohe Temperaturen beim Bügeln ist Leinen unempfindlich. Beim Bügeln sollte Leinen leicht feucht sein, da trockene Hitze das Gewebe schädigt. Wäschetrockner sind also eher ungeeignet. Am besten bügelt man Leinen mit einem feuchten Tuch oder sprüht es ein wenig mit Wasser ein. Auf jeden Fall sollte es von der linken Seite des Kleidungsstückes gebügelt werden.

Wissenswertes über die ökologische Bedeutung der LeinenFaser

Der Anbau der Flachspflanzen ist im Vergleich zur Baumwolle sehr einfach und viel schonender für die Umwelt. Es müssen wesentlich weniger Pestizide und Düngemittel als beim Baumwollanbau eingesetzt werden. Das schont Mensch und Natur. Erst bei der Weiterverarbeitung der Pflanzen werden in manchen Anbauregionen Giftstoffe zur Trennung der Faserbündel von den übrigen Pflanzenbestandteilen eingesetzt. Diese können dann Abwässer verschmutzen. Außerdem verrotten Leinenfasern völlig rückstandsfrei. Achten Sie beim Kauf auf europäische Produkte.