Seide – Edle Kostbarkeit

HERKUNFT
Seide (von mittellateinisch seta) ist eine feine Faser, die aus den Kokons der Seidenraupe, der Larve des Maulbeerspinners, gewonnen wird. Als einzige in der Natur vorkommende textile Endlosfaser besteht sie hauptsächlich aus dem Protein Fibroin. Ursprünglich vermutlich aus China kommend war sie eine wichtige Handelsware und wurde über die Seidenstraße nach Europa transportiert. Neben China, wo heute noch der Hauptanteil produziert wird, sind Japan und Indien weitere wichtige Erzeugerländer, in denen der Seidenbau betrieben wird.

HISTORIE
Der Sage nach soll die chinesische Kaiserin Si Ling Schi vor fast 5000 Jahren eine Seidenraupe beim Einspinnen beobachtet haben. Sie haspelte den Faden ab und stellte daraus ein Gewebe her. In der Zeit der römischen Antike hatte Seide den gleichen Wert wie pures Gold. Im 6.Jahrhundert sollen Schmuggler Eier von Seidenraupen nach Europa gebracht haben. Seither konnte Seide im Mittelmeerraum hergestellt werden, wo die klimatischen Bedingungen gut waren. König Friedrich II. von Preußen befahl in einer Order von 1775 seinen Bauern Maulbeerbäume anzubauen und Seidenspinner zu züchten um von Importen unabhängig zu sein. Durch den Sieg Napoleons 1806 konnten wieder französische Seiden eingeführt werden und die heimische Produktion geriet in Vergessenheit. Zentrum der deutschen Seidengewinnung und Verarbeitung war Krefeld.

Seidengewinnung im 19. Jahrhundert
Seidengewinnung im 19. Jahrhundert in Italien – Gemälde von Annie Renouf Whelpley von 1893
Seide - Gewinnung im 19. Jahrhundert

GEWINNUNG
Die Raupen des Seidenspinners ernähren sich von den Blättern des Maulbeerbaumes. Aus 2 mm großen, frisch aus dem Ei geschlüpften Raupen werden nach etwa 30 Tagen Exemplare in Größe eines Mittelfingers. Mit Hilfe von Drüsen, die die Seidenflüssigkeit absondern, beginnen die Raupen sich zu verpuppen. Sie spinnen einen etwa taubeneigroßen Kokon um sich herum, der sie vor äußeren Einflüssen und Feinden schützt. Nun werden die Kokons in heißem Wasser, das auch den sogenannten Seidenleim löst, gegeben. Dabei sterben die Raupen ab. Etwa 10 Fadenenden werden zu einem Rohseidenfaden zusammen genommen, man nennt das auch Grège, und der ca. 1000 m lange Endlosfaden wird abgehaspelt.

EIGENSCHAFTEN
Feinheit und Weichheit sind die edelsten Eigenschaften der Seide und verleihen ihr eine ausgesprochene Hautfreundlichkeit. Aufgrund der Länge der Faser erreicht die Seide hohe Festigkeit und zeichnet sich durch natürlichen Glanz aus. Seide wird als wärmend und kühlend gleichzeitig empfunden und hat bedingt durch ihre Dichte eine gute Isolation. Wie Wolle kann sie bis zu einem Drittel ihres Gewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, Knitter hängen sich schnell wieder aus. Auf Seide lassen sich Farben mit extremer Brillanz färben. Gegenüber hohen Temperaturen, Abrieb und Wasserflecken ist Seide empfindlich.

PFLEGE
Seidenstoffe müssen vorsichtig mit der Hand unter Verwendung spezieller Reinigungsmittel gewaschen werden. Auch chemische Reinigung ist möglich. Seide darf wie Wolle nicht gewrungen werden, da sie gerade im nassen Zustand formempfindlich ist. Gebügelt wird von links bei mittlerer Temperatur 130–160 °C, die Seide sollte dabei noch leicht feucht sein. Seide ist lichtempfindlich: die Farben verblassen und die Seide vergilbt. Daher ist direkte und starke Sonneneinstrahlung zu vermeiden.

ÖKOLOGIE
Auf dem Markt sind mittlerweile Seiden, die nach kbT (kontrolliert Biologische Tierhaltung) Standards produziert sind, erhältlich. Das bedeutet konkret, dass die Raupen Maulbeerblätter als Nahrung zu sich nehmen, die frei von Pestiziden sind. Bei der Stoffverarbeitung, dem Abkochen, Zwirnen, Weben und Färben der Bio-Seiden werden ausschließlich die Gesundheit und Umwelt schonende Chemikalien und Farbstoffe verwendet. Außerdem gibt es sogenannte “Peace-Seide”, die auch für Vegetarier geeignet ist. Den verpuppten Raupen wird durch ein kleines Loch im Kokon die Möglichkeit des Entweichens aus dem Kokon geboten. Für Veganer ist Seide generell nicht geeignet.

Tolle Dokumentation über die Gewinnung der Seide, die Geschichte und ihre Bedeutung.

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